„Warum Vogelbeere?“, habt Ihr Euch vielleicht schon gefragt. In der Wildnisschule, in der ich die Ausbildung gemacht habe, ist es eine Art Tradition, dass jede und jeder im Laufe der Ausbildung einen Wildnisnamen erhält. Manchmal kommt der Name einfach zu Dir oder Du suchst ihn Dir aus, weil Du eine besondere Resonanz dazu verspürst. Bei mir war es die Vogelbeere bzw. Eberesche.
Schon als Jugendliche hatte ich vor meinem Fenster immer eine Vogelbeere stehen, die für mich von besonderer Bedeutung war, vor allem nachdem ich Hans Bemmanns Stein und Flöte gelesen hatte. Darin nimmt die Vogelbeere bzw. Eberesche nämlich die Rolle des Schutzbaums schlechthin ein: «Weißt du das nicht?» sagte der Sanfte Flöter. «Ebereschen sind nicht nur freundlich zu Vögeln, sondern zu jeglichem Wesen, das bei ihnen Hilfe sucht. Alles, was böse ist, scheut den Schatten dieser Bäume.»
Als ich gegen Ende der Wildnisausbildung noch immer keinen Wildnisnamen hatte und ich mir schon verzweifelt Gedanken darüber machte, wurde vor meinem Fenster in Wien wieder eine Vogelbeere gepflanzt und plötzlich kam in mir die Erinnerung an die vielen Bedeutungen, die die Vogelbeere bzw. Eberesche in den unterschiedlichen Kulturen hat, hoch: Baum des Lebens, heiliger Baum, Schutzbaum, Zauberbaum, Baum der Heilung und Visionen, Symbol des Wiedererwachens der Natur nach dem Winter…
Außerdem gefällt mir einfach, dass in dem Begriff Vogelbeere sowohl die pflanzliche Welt (Beere, Eberesche), als auch die tierische Welt (Vogel, Bär) steckt.